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Hitzeschlag

Aufgeführt vom 27. August – 11. September 2004 im Theater Stadelhofen, Zürich

Der Autor

Der Engländer Eric Chappell hat sich in vor allem als Drehbuchautor einen Namen gemacht. Er ist ein klassischer Quereinsteiger, arbeitete er doch lange als Buchhalter für das staatliche Elektrizitätswerk. Mit Banana Box landete er 1973 einen vielbeachteten Erstlingserfolg: Das im Apollo Theatre uraufgeführte Stück diente später als Vorlage für die mehrfach preisgekrönte Fernsehserie Rising Damp. Seine zweite Fernsehkomödie The Squirrels brachte ihm 1975 den Preis für den besten Nachwuchsautor ein. Chappell, der mehrere seiner Theaterstücke zu TV-Serien umgearbeitet hat, schreibt überwiegend für Funk und Fernsehen. Mit Duty Free, Only When I Laugh und Singles schuf er wahre Sitcom-Klassiker. Trotz seiner Tätigkeit als erfolgreicher Drehbuchautor wandte er sich aber nie ganz von seiner ersten grossen Liebe ab. Mittlerweile hat Chappell zahlreiche Theaterstücke verfasst, vor allem Farcen und Komödien, darunter so bekannte wie We’re Strangers Here, Up and Running (Premiere im Windsor Theatre Royal 1989), Something’s Burning, Natural Causes, Haunted, Theft und Haywire (2001).
Hitzeschlag (Heatstroke) hatte im Februar 1999 auf Initiative der «Riksteatern Company» Premiere und wurde während neun Monaten in ganz Schweden gespielt.

Das Stück

Spanien, in einem brütend heissen Sommer in den 70er Jahren. Schlaghosen und Plateauschuhe sind in, aus den Lautsprechern plärren die Hits von ABBA und in den Tanzpalästen grassiert das Discofieber. Sam und Fay Spencer wollten eigentlich nur ein paar ruhige Tage in der hacienda von Fays Arbeitgeber Sydney verbringen. Unglücklicherweise weiss der Theateragent nichts von den Plänen seiner pflichtbewussten Buchhalterin. Und leider hat auch der bei Sydneys Agentur unter Vertrag stehende, alternde Schauspieler Howard Booth seine junge Geliebte und Kollegin Dodie auf ein Schäferwochenende in ebendiese Villa eingeladen. Fast zeitgleich treffen die zwei Paare so im südöstlichen Hinterland der iberischen Halbinsel ein bzw. aufeinander – Konfrontationen zwischen dem phobischen Sam, der neurotischen Fay, dem narzisstischen Howard und der kühlen Dodie sind unvermeidlich. Als in der Villa ein Reisekoffer voller Geld auftaucht, das die existenziellen Nöte der Spencers, aber auch jene von Howard auf einen Schlag aus der Welt schaffen könnte, dreht sich das Rad der Heimlichkeiten und Versteckspiele immer schneller. Dabei folgen alle ihrem Instinkt, ganz nach dem Motto: «Wenn es ums Geld geht, ist sich jeder selber der Nächste» – Dodie kämpft mit den Waffen der Frau, Fay mit Köpfchen, Harold setzt sich selbst in Szene und Sam beweist wiederholt seine Hilflosigkeit. Mit von der Partie sind ferner eine Schlange, eine beträchtliche Dosis Schlafmittel und ein Crocketschläger. Doch: Wer ist wer in diesem Verwirrspiel? Wem gehört eigentlich der Koffer – und wo ist er überhaupt? Und stammen die Millionen wirklich aus einem Banküberfall?
Heatstroke (Hitzeschlag) ist trotz seines abstrusen Plots eine leichtfüssige Farce voll Situationskomik und Sprachwitz, die mehr zu bieten hat, als eine Parodie auf die Auswüchse des allsommerlichen Massentourismus im Mittelmeerraum. Chappell reizt die Gattungsgrenzen systematisch aus, indem er den Bogen der Komik ins Groteske überspannt. Dass er dabei das Absurde gewissenhaft und mit jener seltenen Ernsthaftigkeit vorführt, die uns Allzumenschliches erst erkennen lässt, darf als eigentliches Kunststück gelten.

Personen

Sam Spencer (Andreas Keller)
Fay Spencer (Sonja Wenger)
Howard Booth (Lukas Schönenberger)
Dodie Davenport (Cinzia Sartorio)
Montgomery Raynor (Stefano Christen)
Mad Dog Moon (Frank Metzner)

Staff

Regie & Inszenierung: Tom Egli
Regie-Support: Carolina Sigg
Bühnenbild: Tom Egli, Michael Euringer
Kostüme: Michael Euringer
Übersetzung: Sonja Wenger
Requisiten: Corina Hausherr Wildermuth
Technik: Martin Fehr
Stage Manager: Kerstin Jäger
Souffleuse: Carolina Sigg
Koordination: Cinzia Sartorio, Andreas Keller
Reservationen & Kasse: Patrick Flach
PR & Presse: Cinzia Sartorio
Text: Thomas Stein

Artwork: Dominik Schoch, By Heart