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Ein idealer Gatte

Aufgeführt vom 16. – 24. Oktober 1998 im Theater Rigiblick, Zürich

Der Autor

Der 1854 in Dublin geborene Oscar Wilde braucht hier wohl kaum ausführlich vorgestellt zu werden. Beeinflusst vom Gedankengut Walter Paters, war sein ganzes Leben eine Provokation für den bürgerlichen Konformismus. Wildes Homosexualität brachte die Richter am 25. Mai 1895 dazu, ihn auf dem Höhepunkt seines Ruhms ins Gefängnis zu stecken. Nach der Entlassung, finanziell und physisch ruiniert, blieb ihm nur ein Leben im französisch-italienischen Exil. Oscar Wilde starb am 30. November 1900 im Alter von nur 46 Jahren völlig verarmt in einem billigen Pariser Hotel.
Zurzeit des fin de siècle gab es in ganz London keinen brillanteren Redner und scharfsinnigeren Beobachter als Oscar Wilde. All dies begründete den Welterfolg Wildscher Werke;  es sei hier nur an die berühmtesten errinnert: The Picture of Dorian Gray, Lady Windermere’s Fan, The Importance of Being Earnest, Salome, The Ghost of Canterville, und (last but not least) An Ideal Husband.

Das Stück

London, kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts. Schauplatz ist eine der üblichen Dinnerparties der High-Society im Hause des aufstrebenden Politikers Robert Chiltern, in welche die ebenso faszinierende wie berechnende Laura Cheveley wie eine Bombe hineinplatzt. Cheveley weiss um das korrupte Fundament von Chilterns Karriere und macht sich – charmant aber eiskalt-erpresserisch – sogleich daran, die politische Macht des Parlamentsabgeordneten in den Dienst einer tollkühnen Börsenspekulation zu stellen.Cheveleys Auftauchen wirbelt die gesellschaftlichen Kreise gehörig durcheinander. Chilterns bester Freund, Arthur Goring, war einst mit ihr verlobt; Chilterns sittenstrenge Frau Gertrude mit ihr zusammen auf der Schule und schon damals hassten sich die beiden Frauen abgrundtief.  Mit von der Partie sind ferner Gorings Vater, der allem Konservativen zugeneigte Lord Caversham, sowie das weibliche Gegenstück zum dandyhaften Goring, Chilterns Schwester Mabel.
In einer von Heuchelei gezeichneten Welt stürzen im folgenden Ideale en masse in sich zusammen, und die  viktorianische Moral kommt deftig unter die Räder. Cheveleys Plan scheitert gerade wegen ihrer eigenen, nicht über alle Zweifel erhabenen Vergangenheit und die Verwirrungen um Erpresserbriefe und gestohlenen Schmuck lösen sich dank dem ruhenden Pol des Stücks (Lord Goring) in Minne auf. Schliesslich obsiegt die Liebe, keine romantische zwar, sondern eine der Ästhetik und dem individualistischen Schönheitskult verpflichtete. Zurück bleiben zerbrochene Masken jahrelanger Selbstillusion (die Chilterns), die Unbeirrbarkeit derjenigen, die an die bestehende gesellschaftspolitische Ordnung glauben (Lord Caversham) und eine nicht ganz unerwartete, wenn auch ganz und gar nicht traditionelle Ehe. Die knifflige Frage, welcher Gatte oder was für ein gesellschaftliches Verhalten nun «ideal» sei, müssen die Zuschauer am Ende selbst beantworten.

Personen

Sir Robert Chiltern (Andreas Keller)
Lady Gertrude Chiltern (Sonja Wenger)
Miss Mabel Chiltern (Corina Hausherr)
Lord Caversham (Stefano Christen)
Lord Arthur Goring (Lukas Schönenberger)
Mrs. Laura Cheveley (Nici Gallo)
Lady Markby (Jacqueline Hänni)
Lady Basildon (Heidi Thommen)
Mrs.  Marchmont (Iris Zantop)
Vicomte de Nanjac (Thomas Stein)
Mr. Montford (Dominic Grimm)
Mason (Michael Euringer)
Phipps (Thomas Stein)

Staff

Regie & Inszenierung: Tom Egli
Bühnenbild: Carolina Sigg
Kostüme: Michael Euringer
Maske: Nici Gallo
Technik: Christian Fehr
Koordination: Andreas Keller
PR & Werbung: Jacqueline Hänni
Medien: Thomas Stein
Artwork: By Heart, Werbeagentur