Ein idealer Gatte

 


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Ein idealer Gatte (An Ideal Husband)

von Oscar Wilde


Inhalt

London, kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts. Schauplatz ist eine der üblichen Dinnerparties der High-Society im Hause des aufstrebenden Politikers Robert Chiltern, in welche die ebenso faszinierende wie berechnende Laura Cheveley wie eine Bombe hineinplatzt. Cheveley weiss um das korrupte Fundament von Chilterns Karriere und macht sich - charmant aber eiskalt-erpresserisch - sogleich daran, die politische Macht des Parlamentsabgeordneten in den Dienst einer tollkühnen Börsenspekulation zu stellen.

Cheveleys Auftauchen wirbelt die gesellschaftlichen Kreise gehörig durcheinander. Chilterns bester Freund, Arthur Goring, war einst mit ihr verlobt; Chilterns sittenstrenge Frau Gertrude mit ihr zusammen auf der Schule und schon damals hassten sich die beiden Frauen abgrundtief. Mit von der Partie sind ferner Gorings Vater, der allem Konservativen zugeneigte Lord Caversham, sowie das weibliche Gegenstück zum dandyhaften Goring, Chilterns Schwester Mabel.

In einer von Heuchelei gezeichneten Welt stürzen im folgenden Ideale en masse in sich zusammen, und die viktorianische Moral kommt deftig unter die Räder. Cheveleys Plan scheitert gerade wegen ihrer eigenen, nicht über alle Zweifel erhabenen Vergangenheit und die Verwirrungen um Erpresserbriefe und gestohlenen Schmuck lösen sich dank dem ruhenden Pol des Stücks (Lord Goring) in Minne auf. Schliesslich obsiegt die Liebe, keine romantische zwar, sondern eine der Ästhetik und dem individualistischen Schönheitskult verpflichtete. Zurück bleiben zerbrochene Masken jahrelanger Selbstillusion (die Chilterns), die Unbeirrbarkeit derjenigen, die an die bestehende gesellschaftspolitische Ordnung glauben (Lord Caversham) und eine nicht ganz unerwartete, wenn auch ganz und gar nicht traditionelle Ehe. Die knifflige Frage, welcher Gatte oder was für ein gesellschaftliches Verhalten nun «ideal» sei, müssen die Zuschauer am Ende selbst beantworten.

Zum Autor

Der 1854 in Dublin geborene Oscar Wilde braucht hier wohl kaum ausführlich vorgestellt zu werden. Beeinflusst vom Gedankengut Walter Paters, war sein ganzes Leben eine Provokation für den bürgerlichen Konformismus. Wildes Homosexualität brachte die Richter am 25. Mai 1895 dazu, ihn auf dem Höhepunkt seines Ruhms ins Gefängnis zu stecken. Nach der Entlassung, finanziell und physisch ruiniert, blieb ihm nur ein Leben im französisch-italienischen Exil. Oscar Wilde starb am 30. November 1900 im Alter von nur 46 Jahren völlig verarmt in einem billigen Pariser Hotel.

Zurzeit des fin de siècle gab es in ganz London keinen brillanteren Redner und scharfsinnigeren Beobachter als Oscar Wilde. All dies begründete den Welterfolg Wildscher Werke; es sei hier nur an die berühmtesten errinnert: The Picture of Dorian Gray, Lady WindermereÕs Fan, The Importance of Being Earnest, Salome, The Ghost of Canterville, und (last but not least) An Ideal Husband.

Hintergrund und Auslegung

An Ideal Husband (1892), uraufgeführt am 3. Januar 1895 im Londoner Haymarket Theatre, ist - selbstverständlich für Oscar Wilde - eine satirische Gesellschaftskomödie. In kaum einer anderen Figur hat Wilde seine Lebensphilosophie derart explizit ausformuliert wie in der Gestalt Lord Gorings. Der Kontrast zwischen spätviktorianischen Moralvorstellungen und ästhetischen Dandytum, also zwischen kollektivem Müssen und individuellem Wollen, dürfte den modernen Zuschauer jedoch weit mehr interessieren als der Umstand, dass die Erpresserthematik in politischen Spitzenkreisen einen autobiographischen Hintergrund hat.

Gerade im Herbst 1998 sind Stichworte wie «Börsenspekulation» oder «Skandale um Staatsoberhäupter» zwar aktueller denn je, doch es geht Wilde in seiner unbestritten politischsten Komödie nicht nur um Sensationlust, sondern um die tiefe Kluft zwischen öffentlichem Schein und privatem Sein. Die Fixierung auf gesellschaftspolitische Normen führt im Stück zwangsläufig zu emotionalen Einbrüchen und Katastrophen im Privatleben der einzelnen Figuren.

Es erstaunt deshalb kaum, dass ausgerechnet der ironische Dandy Lord Goring tiefe Wahrheiten und echte Werte verkörpert. Dadurch verleiht Wilde dem scheinbar paradoxen Inhalt von An Ideal Husband eine ganz spezifische Deutung: nicht Karriere, Geld oder gesellschaftlicher Rang sind entscheidend, sondern Kunstsinn, Phantasie, Musse, Ehrlichkeit und - die Liebe. Der Erfolg des Stückes war triumphal, und der Autor urteilte: "I really think it reads the best of my plays".

Die Mode zur Zeit Oscar Wildes

Personen & Darsteller


Sir Robert Chiltern (
Andreas Keller)
Lady Gertrude Chiltern (Sonja Wenger)
Miss Mabel Chiltern (Corina Hausherr)
Lord Caversham (Stefano Christen)
Lord Arthur Goring (Lukas Schönenberger)
Mrs. Laura Cheveley (Nici Gallo)
Lady Markby (Jacqueline Hänni)
Lady Basildon (Heidi Thommen)
Mrs. Marchmont (Iris Zantop)
Vicomte de Nanjac (Thomas Stein)
Mr. Montford (Dominic Grimm)
Mason (Michael Euringer)
Phipps (Thomas Stein)
Staff

Regie & Inseznierung:
Tom Egli
Bühnenbild: Carolina Sigg
Kostüme: Michael Euringer
Maske: Nici Gallo
Technick: Christian Fehr
Koordination: Andreas Keller
PR & Werbung: Jacqueline Hänni
Medien: Thomas Stein
Artwork: By Heart, Werbeagentur